Längst hat der Ex-Mister-Schweiz André Reithebuch die Schönheitsschärpe gegen Seil und Pickel eingetauscht. Denn als Bergführer hat der Glarner seine wahre Bestimmung gefunden. Nun teilt er seine Leidenschaft für die Berge mit dem TV-Publikum.
Rote Teppiche und Cüpli-Veranstaltungen waren gestern, heute ist Mister Schweiz 2009 André Reithebuch (39) in der Natur unterwegs. Der einst schönste Mann der Nation arbeitet mittlerweile als Bergführer. Sein Amtsjahr möchte er dennoch nicht missen. «Ich war ja damals 23 Jahre alt. Wenn ich retour schaue, war es eine sehr tolle Zeit und schlussendlich auch eine Lebensschule.»
Trotzdem sei für ihn klar gewesen, dass es nichts Nachhaltiges sei. «Ich wusste immer: Nach einem Jahr kommt der nächste Amtsträger.» Deshalb habe er die Zeit einfach in vollen Zügen genossen. Gelohnt hat sich das schöne Abenteuer auch finanziell für den Glarner: Kein anderer Mister Schweiz soll im Amtsjahr so viel Geld – laut Schätzungen 450 000 Franken – verdient haben wie André Reithebuch.
Zurück in den Lehrberuf
Starallüren kannte er trotzdem keine: Als 2010 sein Nachfolger in den Startlöchern stand, zog es ihn zurück in seinen Lehrberuf als Zimmermann. Gleichzeitig fing er auch mit seiner mehrjährigen Weiterbildung zum Bergführer an. «Die Freiheit, die ich durch den Mister-Schweiz-Titel bekommen habe, hat mir gezeigt, dass ich den Schritt wagen sollte, etwas Neues auszuprobieren.»
Als passionierter Berggänger konnte er damit seine Leidenschaft zum Beruf machen: Seit acht Jahren begleitet er nun andere auf ihren Abenteuern und sorgt dabei für ihre Sicherheit. «Für mich ist das der schönste Beruf», erklärt er.
In TV-Sendung dabei
Reithebuchs neuste Begleiterin ist keine Unbekannte: Für die Samstagabendsendung «Winterhüttengeschichten Spezial» (17. Januar um 20.10 Uhr auf SRF 1) begleitet er Moderatorin Nicole Berchtold (47) zur Glarner Claridenhütte auf 2453 Meter über Meer. Für ihn ist es eine Art Heimspiel: «Auf der Planurahütte, die nicht weit weg ist, war ich als junger Bursche so etwas wie eine Hüttenhilfe und habe da viel Zeit verbracht. Ich weiss nicht, ob meine Leidenschaft für die Berge heute dieselbe wäre, wenn ich damals nicht so viel Zeit dort verbracht hätte.»
Beim Dreh begleitet er Nicole Berchtold zur Berghütte, nachdem diese mit einem Flächenflieger auf dem Gletscher landete.SRF
Beim Dreh begleitet er Nicole Berchtold zur Berghütte, nachdem diese mit einem Flächenflieger auf dem Gletscher landete.SRF
Reithebuch kommt auf seinen Touren oft in Berghütten unter – zu Spitzenzeiten waren es 160 Nächte, die er nicht zu Hause verbrachte. Dass diese oft simpel ausgestattet sind, stört ihn nicht. «Ich gehe mit meiner Partnerin, wenn wir unsere Kinder für zwei Nächte abgeben dürfen, auch gerne mal für zwei Tage in ein Wellnesshotel und geniesse dann den Luxus. Das ist mega schön und ich geniesse es sehr. Aber gemütlich in einer Berghütte zu sitzen und miteinander zu reden, gibt mir meist mehr.» Für ihn sei die Zeit in den Bergen wie Wellness.
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Genau deshalb liebe er seine Arbeit so sehr: «Es gibt nichts Besseres, als als Bergführer in der Natur zu sein und mit den Gästen die schönen Momente auf den Gipfeln zu teilen.» Seine Leidenschaft nun mit der Öffentlichkeit teilen zu können, bereite ihm grosse Freude. «Es waren zwei wunderschöne Drehtage», erzählt Reithebuch. Nicole Berchtold und er hätten gute Gespräche zum Thema Neuanfang gehabt. «Ich bin gespannt, was davon im TV zu sehen ist.»
Grosses Familienglück
Auch abseits der Arbeit hat sich im Leben des Ex-Mister-Schweiz einiges geändert. Mittlerweile ist er Dreifach-Papi – nach zwei Töchtern (die achtjährige Serafina und die sechsjährige Elenya) brachte Partnerin Johanna Kundert (38) vor drei Jahren den kleinen Lenny zur Welt. «Die Zeit vergeht so schnell mit ihnen», erzählt er. Darum hat er vor einem halben Jahr entschieden, beruflich einen Schritt kürzerzutreten, um drei Tage pro Woche mit dem Nachwuchs verbringen zu können.
Mit viel Herzblut kümmert er sich aber auch um seinen eigenen Kräuterschnaps, den «Tschenepy». «Es ist schön, einen eigenen Schnaps zum Anstossen zu haben», erzählt er. Auch arbeite er in der Zwischensaison immer wieder als Zimmermann. Das grösste Projekt konnte er bereits vor rund fünf Jahren fertigstellen: «Ich habe unser eigenes Haus umgebaut. Das war schon immer mein Ziel.» Sein jüngeres Ich wäre stolz auf ihn, meint er, denn beruflich wie auch privat habe er seine Träume erfüllt.