Kleine Wunderwaffe
Um fit durch den Winter zu kommen, braucht es keine Vitaminpillen – dafür regelmässig Sauerkraut auf dem Teller! Das vergorene Gemüse ist eine wahre Vitamin-C-Bombe und steckt voll natürlicher Milchsäurebakterien.
Was unsere Grossmütter früher im Winter notgedrungen auftischten, weil sie kaum eine andere Wahl hatten, gilt heute nicht mehr als «Arme-Leute-Essen», sondern als vitaminreiche Vollwertnahrung: Sauerkraut!
Blenden wir ein wenig zurück: In Zeiten, als es noch keine schnellen Transportmöglichkeiten gab, um täglich frisches Obst und Gemüse aus aller Welt zu importieren, galt es für die Wintermonate vorzusorgen. Aus diesem Grund wurde beispielsweise Weisskohl zu Sauerkraut vergoren – um es länger haltbar zu machen. Von dieser Konservierungsmethode profitierten auch die Seefahrer im 18. Jahrhundert: Um auf ihren monatelangen Fahrten auf hoher See nicht an Mangelerkrankungen wie Skorbut (entsteht durch Vitamin-C-Mangel) zu sterben, nahmen sie Sauerkraut als Proviant mit. Obwohl man damals noch keine Ahnung von Vitaminen hatte.
Natürliches Probiotika
Mittlerweile hat die moderne Wissenschaft belegt: Sauerkraut ist weit mehr als ein lagerfähiges Gemüse. Das weisse Kraut enthält unzählige wertvolle Inhaltsstoffe, die aus dem Gemüse eine «medizinische Wunderwaffe» machen - sofern es möglichst roh genossen wird.
Sauerkraut entsteht durch Vergärung mit Milchsäurebakterien, die sich von Natur aus auf der Blattoberfläche des Kohls befinden. Während des Fermentationsprozesses vermehren sich diese Mikroorganismen milliardenfach. Ob als Gemüse oder Saft: Auf den Menschen wirkt dieser «Cocktail» dann probiotisch. Er stabilisiert die Darmflora, schützt die nützlichen Darmbakterien und bekämpft schädliche Eindringlinge wie Salmonellen und Coli-Bakterien.
Kurzum: Sauerkraut sorgt für eine gesunde Darmschleimhaut und macht widerstandsfähig gegen Krankheiten aller Art.
Auch die weiteren Inhaltsstoffe haben es in sich: Sauerkraut enthält grosse Mengen an Vitamin C. Wer sich vor Erkältungen schützen und seine Abwehrkräfte gezielt stärken will, sollte regelmässig frisches Sauerkraut essen. Eine Portion von 200 Gramm deckt bereits 40 Prozent des täglichen Vitamin-C-Bedarfs, sofern das Kraut nicht gekocht wird.
Ein Gemüse mit Vitamin B
Reichlich vorhanden sind auch B-Vitamine, unter anderen das kostbare Vitamin B12, das eine wichtige Rolle bei der Zellteilung, der Blutbildung und der Funktion des Nervensystems spielt. Da dieses Vitamin sonst ausschliesslich in tierischen Nahrungsmitteln vorkommt, ist Sauerkraut eine perfekte Vitamin B12-Quelle für Vegetarier und Veganer.
Darüber hinaus versorgt Sauerkraut den Körper mit Eisen (für Blutbildung und Zellatmung), Magnesium (für Herz und Muskeln), Zink (für das Bindegewebe) sowie entwässerndem Kalium.
Der bekannte Pfarrer Kneipp nannte Sauerkraut einen «Besen für Magen und Darm». Dank seines hohen Anteils an Ballaststoffen regt es die Darmtätigkeit an und wirkt wunderbar gegen Verstopfung. Der Mix an Milchsäure und B-Vitaminen im vergorenen Kabis-Kraut hilft auch, die angegriffene Darmschleimhaut zu regenerieren – wie etwa nach einer Antibiotika-Kur, bei der nicht nur schädliche, sondern leider ebenso gesundheitsfördernde Bakterien abgetötet werden.
Auch das Herz-Kreislauf-System profitiert von den gesunden Inhaltsstoffen: Sie regulieren den Fettstoffwechsel und senken zu hohe Cholesterinwerte.
Dank seines hohen Gehalts an Vitamin K hilft Sauerkraut auch bei Wundheilungsstörungen: Das Vitamin unterstützt die Blutgerinnung und die Wundheilung.
Das sauer eingemachte Gemüse gilt sogar als natürliches Antidepressivum. Der Botenstoff Acetylcholin wirkt beruhigend auf das vegetative Nervensystem. Wer regelmässig rohes Sauerkraut verzehrt und gut kaut, wird in Stresssituationen widerstandsfähiger.
Roh statt gekocht!
Am gesündesten ist frisches, rohes, unerhitztes Sauerkraut – als Salat oder als Beilage. Beim Kochen geht nicht nur ein Teil der Vitamine verloren. Pasteurisiertes Sauerkraut enthält auch keine lebendigen Milchsäurebakterien mehr, sondern nur noch Milchsäure. Zur Verfeinerung kann rohes Sauerkraut mit etwas Leinöl beträufelt oder mit Apfelmus gegessen werden. Bohnenkraut und Kümmel helfen gegen allfällige Blähungen. Ideale Beilage zum kalorienarmen Sauerkraut (17 Kalorien pro 100g) sind Kartoffeln statt deftige Würste und Speck. Wer das Kraut unbedingt warm essen will, kann es vorsichtig erwärmen – aber ja nicht kochen.


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